Heute ist mein Bezirksvorsteherreflex durchgebrochen. Die liebgewordene Platane vor dem Café Eiles in Wien, wird der neuen U-Bahnführung zwischen U2 und U5 nicht geopfert. Sie wird gerettet und soll am Schmerlingplatz zwischen Parlament und Justizpalast wiedererstehen.

Wer weiß welches Politikum Baumfällungen oder  Baumgefährdungen in Wien sein können, kann nur zu dieser Aktion gratulieren. Als ehemalige Bezirksvorsteherin für die Innere Stadt und Stadträtin kann ich ein Lied davon singen. An jedem Baum hing mein Herz. An einen auf der Ringstraße habe ich mich sogar angekettet, um auf die Gefahr für diese Bäume durch Austrocknung und Salzrückstände im Winter aufmerksam zu machen. Jetzt sind Bäume und die Grünfläche in der Lothringerstraße gefährdet durch das Tojner-Häupl-Ludwig Hochhausprojekt am Heumarkt, denn der gesamte Straßenzug wird verlegt werden, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.  Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sollte abgehalten werden und ist noch ausständig.

 Von dem Fällen der Bäume und Abtragen der Grünflächen vor dem im Umbau befindlichen Wien Museum ganz zu schweigen, das noch dazu der wunderbaren Karlskirche zu Leibe rückt. Eine Todsünde wider das Stadtbild und den Denkmalschutz. Von dem Otto Wagner Areal am Steinhof gar nicht zu reden. Hier wurde zugunsten eines umstrittenen Wohnprojektes systematisch Wald abgeholzt und trotz massiver Einsprüche von Bürgerinitiativen und auch Politik, vornehmlich freiheitlicher, gegen Natur- Umwelt und Ensembleschutz verstoßen.

 Der Kampf um die Platane am Luegerplatz ist mir in bester Erinnerung. Die Bürger und Anrainer gingen auf die Barrikaden, Baumgutachter wurden bemüht, um diesen herrlichen Baum zu retten, der das Platzbild ebenso prägt wie das davorstehende, leider immer noch beschmierte Lueger-Denkmal. Ihr Erhalt war den Menschen wichtiger als eine Tiefgarage, die natürlich auch aus vielen anderen Gründen abgelehnt wurde. Aber ohne das Kampfthema Platane wäre diese Befragung vielleicht anders ausgegangen.  

All diesen Unbill hat sich Stadtrat Hanke, der nicht nur für die Finanzen der Stadt, sondern auch für die Wiener Stadtwerke zuständig ist, nun erspart: Die Platane wird gerettet und wird wiedererstehen – am Schmerlingplatz. Dort befindet sich bereits ein Park, nämlich der nach der prominenten ÖVP Politikerin benannte Grete Rehor Park. Auch die ÖVP – in Wien Opposition-  wird ihre Freude haben. Mehrere Fliegen auf einen Schlag also. Dafür ist Hanke auch bereit eine schöne Summe in die Hand zu nehmen, nämlich 250.000 Euro mindestens.  Der Baumchirurg der sich dieser schwierigen Operation annimmt, ist Manfred Saller, eine schillernde Persönlichkeit unter den Baumexperten und Gärtnern, der auch die Grüngestaltung für den österreichischen Paradeunternehmer Dietrich Mateschitz und sein Red-Bull Imperium in Händen hat und über gute Kontakte verfügt. Er ist sich des Risikos dieser Operation durchaus bewusst und verzichtet auf sein Honorar. Immerhin wirft er sein ganzes Prestige in die Waagschale. Für ihn eine gute Werbung.

  Meistens überleben alte Bäume eine derartige Aktion nicht. Nicht umsonst heißt es, einen alten Baum soll man nicht verpflanzen.

 In Abwägung der Kosten und des Risikos einer solchen Operation, wird daher meistens auf die Versetzung derart alter und großer Bäume verzichtet. Man pflanzt stattdessen lieber einen neuen. Wie viele neue Bäume hätte die Stadt Wien stattdessen pflanzen können? Wie viele Grätzel begrünen können? Diese Frage ist durchaus berechtigt und des Eindrucks eines Marketings Gags kann man sich nicht erwehren.

Allerdings wesentlich besser und geschickter eingefädelt als der sündteure Swimmingpool der Grünen am Gürtel. Deshalb ist Birgit Hebein auch Geschichte, Stadtrat Hanke nicht.

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