Ich habe Hemmungen mich zu Corona zu äußern, weil die Debatte darüber in einen Glaubenskrieg ausgeartet ist und ich mich in Glaubenskriege grundsätzlich nicht einmische. Ich halte sie für gefährlich und Demokratie schädigend. Außerdem lehne ich es ab, mich in eine wissenschaftliche Debatte einzumischen, weil mir dazu die Voraussetzungen fehlen, wie Millionen anderen Menschen auch,  die keine Virologen, Epidemiologen, Komplexitätsforscher und Mathematiker sind. Auch Statistiken muss man lesen und vor allem auch interpretieren können. Gerade die Zunft der Statistiker hat ja dank unserem jungen Altkanzler Sebastian Kurz massiven Schaden genommen. Nicht zuletzt deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Ich möchte ihm nichtsdestotrotz zur Geburt seines Sohnes gratulieren, dem ich wünsche, eine von politischen Erdbeben, die sein Vater verursacht hat, möglichst unbeeinträchtigte Kindheit zu erleben.

Spaltung überwinden

Doch zurück zu Corona: es gibt noch einen Grund, weshalb ich mich nicht einmische: Ich halte es für das Recht jedes einzelnen Menschen für sich zu entscheiden, ob er sich impfen lassen möchte, oder nicht. Die Erregung über die Impfgegner ist rein politisch motiviert, sie zwingen ja niemanden, sich nicht impfen zu lassen. Die Impfbefürworter hingegen üben Zwang aus, zumindest drohen sie damit.  Ich habe mich entschieden, nach reiflicher Überlegung und Gespräch mit meinem Arzt, einem Facharzt für Onkologie, es zu tun. Auch viele meiner Freunde, die Mehrheit, hat es getan. Ich habe aber auch Freunde, die dies nicht tun. Ich habe ihnen deshalb meine Freundschaft nicht aufgekündigt, ich meide sie nicht und ich treffe sie auch. Sie haben mich bisher nicht angesteckt und auch ich habe sie nicht angesteckt, denn auch als Geimpfte kann ich Corona-Viren weitergeben, wie mittlerweile auch die Virologen, Statistiker und Mathematiker zugeben. Den Impfgegnern die Schuld am Lockdown zu geben, sie als Sündenböcke zu stigmatisieren, ist einfach falsch, und trägt zur Vertiefung der gesellschaftlichen Spaltung bei. Dies können doch weder unser Interimskanzler, noch der Dompfarrer wollen. Wollen wir sie wie Lepra-Aussätzige behandeln, am besten in irgendwelchen Zentren isolieren, wie dies bereits in Australien geschieht? Das wäre dann wohl das Ende einer freien Gesellschaft und weckt beunruhigende Assoziationen.

Droht nun auch der Testzwang?

Doch nun komme ich zum eigentlichen Punkt. Eher zufällig habe ich heute einen Stadttalk des Kurier gehört. Gleich nach dem Aufwachen, griff ich nach meinem Smart Phone- ganz falsch, denn eigentlich sollte es umgekehrt sein: erst recken, dann chequen, aber sei’s drum: es wurde mir bei der Tagesübersicht empfohlen, auch dieses Gespräch zu hören, das der Chronikchef des Kurier, Martin Gebhart, mit einem der führenden Mathematiker und Programmierer des Gesundheitssystems Elga führte. Er gehört auch dem Beraterstab der österreichischen Regierung an. Ich konnte seinen Namen leider nicht lesen, zu klein und zu selten eingeblendet. Was er sagte, ließ mich allerdings hellwach werden: Er thematisierte nämlich den Zusammenbruch der Labore, die dem Ansturm der PCR-Tests nicht gewachsen waren, worauf viele Getesteten, ihr Ergebnis überhaupt nicht, oder wenn, zu spät bekamen. Das heißt: die Tests, die herausfiltern sollten, wer Corona-positiv ist, ob geimpft oder nicht-waren zu gar nichts. Denn das System ist diesem Ansturm nicht gewachsen und führt sich dadurch ad absurdum. Es führe aber kein Weg an der Testung sowohl Geimpfter, als auch Ungeimpfter vorbei, so der Experte. Er plädierte daher neben dem Impfzwang auch für den Testzwang.

Um die Pandemie einzudämmen, vor allem angesichts immer neu auftretender Virus-Mutationen, wie zuletzt das aus Afrika eingeschleppte Virus, Omikron, empfahl er, doch wieder zu den bereits bewährten individuellen PCR Tests zu Hause zurückzukehren. Die wurden abgestellt, weil offensichtlich auch viele geschummelt haben und die Kontrolle nicht gegeben war. Über Tests ein Bild über die Verbreitung, oder eben auch Eindämmung der Pandemie zu haben und daraus eben entsprechende Maßnahmen abzuleiten, sei allerdings der beste Weg neue Corona-Wellen bereits im Anfangsstadium einzudämmen und damit die Überlastung der Spitäler zu vermeiden.

Er wisse auch, wie dies machbar sei. In der Krebstherapie werde diese Methode bereits angewandt: der Patient ist elektronisch mit seinem Arzt verbunden, erspart sich den Weg ins Spital und kann entsprechende Tests selbst durchführen und der Station übermitteln. Dieselbe Methode könnte auf PCR Tests übertragen werden.

Orwell zur Potenz

Da schrillen nun doch alle Alarmsignale, selbst bei einem Impfbefürworter wie mir: Da Impfen nicht gegen die Weitergabe von Corona schützt, und unter den Nichtgeimpften jene herausgefiltert werden sollen die, die positiv sind, um wie der Experte klar machte, die Spitäler zu entlasten, alle zu einem PCR Test verpflichtet werden und dies auch im privaten Rahmen machen können, also Testpflicht und die elektronisch überwacht. Das ist Orwell zur Potenz.

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