Es gibt gleich mehrere Gründe, weshalb ich heute wieder einmal einen Blog verfasse. Der erste und augenscheinlichste: Es ist heute Weltfrauentag. Ich mache aber das Lamento Ritual nicht mit: Ja, Frauen verdienen im Schnitt immer noch weniger als Männer, auch bei uns. Das hat aber etwas mit ihrer überdurchschnittlichen Beschäftigung in minderbezahlten Berufen zu tun. Das lässt die statistische Einkommensschere in unseren Breiten auseinanderklaffen.

Daher Bildung und Ausbildung ist Schlüssel zu höherer Bezahlung und nicht Quote. Zweitens sollte der Wert der Kindererziehung und Arbeit zu Hause sozial so hoch gewertet werden, dass damit kein Pensionsverlust im Alter verbunden ist. Das ist eine Frage des Sozial- und Pensionssystems und wiederum keine Frage der Quote. Anders verhält es sich in Ländern, wo Frauen aus Gründen religiöser Dogmen, wie dem Islam, von Haus aus dem Mann unterworfen sind, ab ihrer Menstruation als unrein gelten und sich je nach Strenge der traditionellen Auslegung, verhüllen müssen, total oder nur zum Teil, das hat nichts mit ihrer Würde oder sozialem Schutz zu tun, sondern nur mit Ausgeliefertsein und patriarchalischem Herrschaftsanspruch. Das beginnt bei Niquab oder Burka und endet bei der Genitalverstümmelung. Dagegen gilt es aufzustehen und ein weltweites Verbot zu fordern.

Das Gendern bringt der Gleichberechtigung der Frauen gar nichts, es führt nur zu einer Verstümmelung der Sprache.

Auch von Päpstinnen in der katholischen Kirche halte ich nichts. Wobei ich bei dem wichtigsten und die vergangenen Tage zurecht dominierenden Thema bin, dem Besuch von Papst Franziskus im Irak. Wenn eine Papstreise die Bezeichnung historisch verdient, dann war es diese Reise in das Zweistromland, wo sich die Wiege des Christentums befindet, wo Abraham geboren wurde, der Stammvater, auf den sich die drei monotheistischen Weltreligionen berufen, das Judentum, das Christentum und der Islam. Diese Reise des Papstes kann es mit der Reise von Johannes Paul II und seiner ersten Reise nach Polen vom 2. bis 10. Juni 1979 aufnehmen. Er war der erste slawische Papst auf dem Stuhl Petri und hat seine Heimat insgesamt 9 Mal besucht. Aber dieser erste Besuch hat die Wende in Polen eingeläutet, trotz aller danach folgenden Rückschläge. Papst Franziskus ist der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri und er hat, so meine Hoffnung – und Hoffnung ist eine  christliche Tugend – vielleicht eine Wende im Verhältnis des Christentums zum Islam eingeleitet. Ich sage dies trotz aller gebotenen Vorsicht.

Der Vatikan ist eine hochpolitische Institution, auch wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche über keine Legionen verfügt. So eine Reise ist kein Zufallsprodukt, sondern akribisch und nach allen Regeln der diplomatischen Kunst vorbereitet. Auch der Gesprächspartner wurde mit Bedacht gewählt: Großayatollah Ali as-Sistani. Der greise schiitische Würdenträger gilt als Gegner, zumindest aber als Kritiker der Shia, wie sie von Großayatollah Chamenei im Iran vertreten wird. Im Gegensatz zu ihm vertritt as-Sistani eine Trennung von Religion und Staat und sein Fotoshooting mit dem Papst, und seine Begegnung unter vier Augen mit ihm, kann ein Signal sein, der durch schwere Verfolgung und Vertreibung dezimierten  christlichen Gemeinde im Irak Sicherheit und Schutz zu gewähren. Einer der Zeugen der brutalen Ausrottungs- und Vertreibungspolitik der Christen im Irak durch fanatische Islamisten, die im Irak ein Kalifat errichten wollten, der chaldäisch katholische Erzbischof, Bashar Warda, hat sich diese Papst-Visite gewünscht, um vom Christentum zu retten, was zu retten ist.

Von 1,5 Millionen  Christen sind heute nur mehr 300.000 im Irak übrig geblieben. Man kann die Frage stellen, was die Begegnung Papst Franziskus – as-Sistani gebracht hat, in welcher Sprache haben sie sich unterhalten, haben sie überhaupt miteinander gesprochen, oder war es nur das symbolträchtige Bild, das die Botschaft war? Es sollte wohl eine  Botschaft sein, die über die Grenzen des Irak, über die Grenzen der Shia hinausgehen sollte. Es sollte eine Begegnung auf Augenhöhe sein, kein Canossagang und keine Unterwerfungssymbolik. Es sollte ein Zeichen sein, dass der Vatikan die bedrohten christlichen Gemeinden nicht vergessen hat. Die Fragezeichen, wie nachhaltig diese Papstreise zu der Wiege des Christentums war, bleiben. Denn im Gegensatz zur katholischen Kirche gibt es nicht nur ein Oberhaupt des Islam, sondern mehrere Richtungen und daher auch zwangsläufig mehrere Autoritäten, nicht nur die Zweiteilung zwischen Shia und Sunniten. Die Reise Papst Johannes Paul II hat erst im Jahr 1989 zum Zusammenbruch des sowjetkommunistischen Systems geführt. Wie lange wird es brauchen bis sich das Verhältnis zweier Weltreligionen, die in Jahrhunderten denken, normalisiert?  Vor allem, wenn man bedenkt, dass religiöse Konflikte in der Gegenwart mit politischen, ja weltpolitischen zu einer explosiven Mischung amalgieren können. Ich wage keine Prophezeiung, aber das Prinzip Hoffnung sollte Bestand haben.

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